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Heute Morgen bin ich durch den Wald gelaufen und habe geheult vor Glück........... Das hat mich dazu veranlasst diese Zeilen zu schreiben. Vor einem knappen Jahr bin ich morgens durch den Wald gelaufen (ging immer wenn der Alkoholexzess nicht zu schlimm war am Abend zuvor) und habe geheult vor Angst. Ich habe geschlottert, gebetet „wenn es da irgendetwas gibt....bitte hilf mir ich weiß nicht mehr weiter“. Am Nachmittag des gleichen Tages bekam ich einen Anruf von einem Bekannten, ob ich nicht einen Job übernehmen wollte. Einen tollen Job, gutbezahlt, flexible Arbeitszeiten und...für mich ein absoluter Knackpunkt ...ganz eigenverantwortlich. Wie sollte ich das denn schaffen? Wo ich morgens nie genau wusste, wann ich das erstemal alkoholgeschwängert aufs Sofa fiel um zu schlafen. Geregelte Arbeitszeiten waren wichtig, im Job habe ich nie getrunken, auch wenn ich morgens bei Arbeitsbeginn selten „durch“ war. Trotzdem ich sagte zu, hatte das Vorstellungsgespräch (davor nur zwei Glas Wein und viel Pfefferminz).......ich hatte den Job. Jubel.......und jetzt? Ich kramte den alten Zeitungsartikel über kontrolliertes Trinken raus. Wunderbar, Infoveranstaltung nächste Woche. Da gehe ich hin und dann....Morgen hör ich auf……Nein, das war nicht mein Weg. Viel zu anstrengend für mich und nicht zu leben. Ich weiß und wusste seid Jahren, wenn dann muss ich ganz aufhören. Abstinenz.......mein Leben lang...welche fürchterliche, wahnsinnige und doch auch so beruhigende Vorstellung. Aber es ist mein Weg und ich wusste es seit Jahren. Ich komme aus einer sogenannten Suchtfamilie. Mein Vater hat sich tot gesoffen(war nie besonders schade drum )...mein Bruder ebenfalls Alkoholiker mit nur 42 Jahren viel zu jung und auch viel zu lieb zum Sterben. Meine Mutter nach Jahren mit Kaffee und 60zig Zigaretten am Tag im Alter von 50. an Speiseröhrenkrebs verstorben. Viel zu früh und weiß Gott kein schöner Tod.....ich wusste schon früh, das wollte ich alles nie....und doch. Da war ein Band, eines dieser widerlichen Gummis die stinken und kleben wenn ich sie anfasse. Es hatte mich im Sog. Mein Leben war geregelt, lieber Mann, liebe Kinder, schönes Haus auf dem Land und doch.....es zog mich immer nähere heran....an die Angst, das Grauen, das Verderben. Hört sich schon sehr theatralisch an, aber es ist für mich nicht anders zu beschreiben. Ich habe gesoffen und hatte mich nicht mehr unter Kontrolle. Ich konnte nicht aufhören und wusste nicht mehr was ich tun sollte. Den Morgen beim Laufen habe ich vor Angst geweint, geschlottert und das Grauen gespürt. Am 25. Oktober 2002 habe ich nach einer Jägermeistersession den letzten Alkohol getrunken. Bin die Woche drauf zu einer Beratungsstelle gegangen und mache seit Anfang Mai eine ambulante Therapie. Ich bin trocken, mein Leben ist nicht mehr so geordnet es hat sich viel verändert, ist nicht leichter geworden…aber auch das gehört dazu. Heute Morgen habe ich vor Glück geweint, ich habe die Angst überwunden. Sie ist nicht weg und ich schau ihr oft in die Augen, aber ich bin nüchtern und dann bin ich stark und komme gegen sie an. Alkohol macht schwach, kaputt und Angst….und Angst frisst Seelen auf. Ruby
Saufdruck Was passiert mit mir? Ich stehe immer wieder vor der gleichen Frage, warum will ich alles was ich zur Zeit habe aufgeben? Heute, Sonntag den 18. Mai 2003, bin ich wieder mal dabei durch die Hölle zu gehen. Ich habe heute versucht meine Gefühle zu zulassen um endlich zu erfahren was da an die Oberfläche will. Vielleicht bin ich ja ein kleines Stück weiter gekommen... es wird sich später zeigen... aber es ist keine schöne Zeit... und es ist auch nicht wirklich einfach für mich damit umzugehen... Es kein „normaler“ Saufdruck, der da an die Oberfläche kommt. Es ist eine sehr große Resignation meiner Person gegenüber, die sich entscheiden muss zum weitermachen in Trockenheit oder zur Aufgabe des jetzigen Lebens mit allen Konsequenzen... ja sogar bis hin zum Tod... Eins ist mir heute aber klar geworden, ich habe sehr große Schwierigkeiten mit mir selber zu leben... ich möchte wieder in den Alk um vor mir, ja nur vor mir weg zu laufen... vor keinem anderen... nur vor mir... ich genüge nicht meinen eigenen Ansprüchen... wenn ich trinke zwar auch nicht, aber dann ist es mir egal.. weil ich dann in anderen sozialen Kreisen glänzen kann, da ich mir dann als Umfeld immer nur Opfer und keine gleichwertigen Menschen aussuche.. ganz bewusst, denn damit hebe ich mein nicht vorhandenes Selbstwertgefühl... …………heute sind mehr als zwei Jahre vergangen als ich diese Zeilen geschrieben habe… ich bin unendlich froh, dass ich mich für ein trockenes Leben entschieden habe… solche Situationen gibt es heute immer noch für mich, aber sie werden immer seltener und mein Selbstwertgefühl ist dabei zu wachsen…. und ich bin dabei meine beste Freundin zu werden…. Heizer Sept. 2005
Dies Tagebuch habe ich geschrieben, weil ich mich zu sehr geschämt habe, jemanden von meiner Alkoholkrankheit zu erzählen. Meine Sucht (Ende 1995) Ich weiß genau, dass die Sucht mich zerstört, dass sie mein sicherer Tod ist. 30. November 1995 Der zweite Tag, der erste Monat 21. Dezember 1995 Heute soll mal wieder mein „erster“ Tag sein. Ich muss mit der Sauferei aufhören und mein Gewicht drastisch reduzieren. Für meinen Geburtstag und Heilig Abend habe ich jede Menge Alkohol im Keller. Es ist bestimmt nicht einfach, da nicht dranzugehen. Nur Karl blickt manchmal hinter meine Fassade. Ich kann gar nicht verstehen, dass meine Partnerin nichts merkt. Aber natürlich bin ich froh darüber. Trotzdem wäre es manchmal besser, weil ich dann meine Grundsätze leichter durchhalten könnte. Ich möchte mir gerne einen Wochenplan machen. 05.01.1996 Mal wieder habe ich starke Erinnerungslücken, was den gestrigen Tag betrifft. Ich vertrage Unmengen Alkohol. Irgendwann werden meine Organe streiken. Heute soll mein „erster“ Tag sein. Ich muss mit meinem Leben wieder klar kommen. Oft ist es der reine Zufall, dass noch nichts Schlimmes passiert ist. 06.01.1996 Mal wieder einen ganzen Tag ohne geschafft. Ich versuche Tätigkeiten aufzugreifen, die schon lange ruhen. Z.B. lesen. Die Tagebücher von Victor Klemperer umfassen mehrere tausend Seiten. Man quält sich mühsam voran. 23.02.1996 Ich habe wieder angerufen (Frau XYZ, Frau GHJ, ich weiß nicht wen noch!). Ich habe dummes Zeug erzählt.
15.05.1996 Seit dem 23.2. ist so viel passiert. Matthias ist am 12. März um 23:30 Uhr gestorben (Leberzirrhose). Meine Partnerin wohnt seitdem bei mir. Ende April hatte Karl einen Entzugsanfall. Seitdem liegt er im Krankenhaus im Delirium. 3.Juni 1996 Ab heute schreibe ich auf, was ich alles getrunken habe: 4.Juni 1996 2 kleine Doornkaat gegen 11 Uhr Meine Partnerin hat zahlreiche Aktivitäten mit Evelyn begonnen. Aus Andeutungen höre ich heraus, dass ich ihr zu dick bin. Ich versuche abends nichts mehr zu essen, aber heute Abend ist mir vor Hunger schlecht geworden. Da habe ich mir Nudeln gemacht. 12. Juni 1996 Heute ist Matthias ¼ Jahr tot. ---------------------------------------------------- Viele meiner Taten sind ein einziger Hilfeschrei. ---------------------------------------------------- Karl ist jetzt schon 5 Monate tot. Die Leber versoffen, den Körper vom Krebs zerfressen. 15. Juni 1998 Ich war heute beim Arzt. Habe ihm gesagt, dass ich Alkoholikerin bin. Morgen wird ein großes Blutbild gemacht mit besonderem Augenmerk auf Leberwerte. Die Schilddrüse soll auch untersucht werden. Ich muss den heutigen Tag ohne Alkohol schaffen.
16. Juni 1998 Der zweite Tag, der erste Monat. 17. Juni 1998 Der dritte Tag, der erste Monat. Ich fing nach 5 Tagen wieder mit dem Trinken an. -------------------------------------------------- 9. Januar 2002 Am 21. Juni 2001 habe ich mit dem Trinken aufgehört: ½ Jahr trocken. 17. August 2002 14 Monate trocken. Ich habe 30 Kilo abgenommen. Vom 9. 11. August war ich beim Chattertreffen von A-Connect in Burgdorf bei Hannover. Viele neue Freunde kennen gelernt. --------------------------------------------------- 4 ½ Jahre trocken. Susanne |